Donnerstag 23 Mai 2013
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Hilfe für Godanaw in Addis Abeba

Liebe Freunde und Verwandte,

ich wende mich heute an Euch mit einem privaten Spendenaufruf. Den meisten von Euch habe ich es schon erzählt: Ich bin im Kontakt mit einer lokalen Nicht-Regierungsorganisation, die sich um die Belange von Straßenmädchen mit kleinen Kindern kümmert. Es passiert hier in Äthiopien leider sehr oft, dass sehr junge Mädchen vergewaltigt werden und aus diesen Vergewaltigungen schwanger werden. Um das Unglück noch schlimmer zu machen, werden diese Mädchen dann von ihren Familien verstoßen, denn ein solches Mädchen - als Teenager schwanger, unverheiratet und ohne Kindsvater - gilt als Schande für die Familienehre. Die Mädchen werden also einfach mitsamt ihren Säuglingen auf die Straße gesetzt.

Die Organisation - sie heißt "Godanaw" - nimmt diese Mädchen für eine Dauer von maximal einem Jahr auf. Die Idee ist, dass sie und ihre Kinder während dieses einen Jahres versorgt sind und die Mütter gleichzeitig eine Ausbildung bekommen, die es ihnen nach Ablauf des einen Jahres ermöglicht, sich und ihre Kinder selbst zu versorgen. Den Mädchen werden Fähigkeiten vermittelt, die sie als Dienstleistung gegen Geld anbieten können.
Die Kurse für die Mädchen umfassen z.B.:

  • Hairdressing: Grundlegendes Friseurhandwerk und die Anfertigung der meist sehr kunstvollen Frisuren für Frauen (z.B. flechten der vielen kleine Zöpfe für die traditionellen Frisuren)
  • Nähen an der Nähmaschine
  • Pullover stricken
  • Stickerei zur Verzierung von Kleidungsstücken, Einkaufstaschen, Vorhängen etc.
  • Anfertigung von Räucherstäbchen
  • Herstellung von Kerzen
  • Ausbildung zur Parkwächterin (Ausstellen von Tickets und kassieren der Parkgebühren auf kostenpflichtigen Parkplätzen)

Auf mehreren Grundstücken direkt in einem der Slums von Addis Abeba wurden Heime errichtet, in denen die Mädchen mit ihren Kindern in sehr einfach gehaltenen Schlafsälen übernachten können. Außerdem sind dort die Unterrichtsräume für die Mädchen und für die Kinder im Grundschulalter: Hier wird den Kindern wie in jeder normalen Grundschule lesen, schreiben und rechnen beigebracht. Für die ganz Kleinen gibt es eine sogenannte "Crèche" (Tagesstätte bzw. Kindergarten). Außerdem befinden sich auf einem Grundstück die Bürogebäude, die Küche und die Metallwerkstatt, wo sich Schweißgeräte und allerlei Werkzeug zur Reparatur der Gebäude und der Ausrüstung (z.B. der in Eigenregie gefertigten Stockwerkbetten und Schulbänke) befinden. Alles ist sehr einfach gehalten, so sind z.B. die Gebäude ausrangierte Übersee-Container, in die einfach Türen und Fenster geschweißt wurden. Dies hat neben der Kostenersparnis den Vorteil, dass alles in Eigenregie repariert und erweitert werden kann. Die Grundstücke werden dem Betreiber mietfrei von der Stadt zur Verfügung gestellt.

Die Abläufe sind so organisiert, dass sich abwechselnd immer ein paar der Mädchen um alle Kinder oder ums kochen für alle kümmern. So sind die anderen frei für die Teilnahme an den Kursen.

Ich selber arbeite seit meiner Ankunft in Addis auf freiwilliger Basis bei Godanaw mit und helfe hier und da, wo es nötig ist. Bisher hauptsächlich bei Computerproblemen; für die nähere Zukunft ist angedacht, dass ich selber einige der Computerkurse halte.

Die Zahl der Straßenmädchen, um die sich Godanaw kümmert, pendelt zwischen 200 und 250. Die Organisation bekommt (außer den mietfreien Grundstücken) keinerlei finanzielle Unterstützung vom äthiopischen Staat und ist deshalb ständig auf Spendengelder angewiesen. Teilweise kommen diese von Misereor und Unicef, aber es liegt in der Natur einer solchen Organisation, dass ständig Geldknappheit herrscht.

Um zum Punkt zu kommen: Ich möchte Godanaw außer mit meiner Arbeitsleistung auch finanziell unter die Arme greifen. Meine Vorstellung wäre, dass diejenigen von Euch, die mir dabei helfen wollen, in ihrem persönlichen oder beruflichen Umfeld monatlich einen Kleinstbetrag von jeder Person, die bereit wäre, so etwas zu unterstützen einsammeln. Karlsruher Freunde (hallo, Verena!) mit eigenen Kindern haben sich schon bereiterklärt, in ihrer Kindertagesstätte von jedem interessierten Elternteil einen Euro pro Monat einzusammeln und an mich weiterzuleiten. Meine Gegenleistung wäre ein monatlicher Bericht mit Fotos, aus dem hervorgeht, was mit dem Geld geschehen ist.

Diese Idee des Sammelns von Kleinstbeträgen kam mir durch eine Erinnerung an meine eigene Schulzeit: Meine Schulklasse hatte damals eine Patenschaft für ein afrikanisches Mädchen übernommen. Von jedem Schüler wurde seinerzeit eine D-Mark eingesammelt. Und wir bekamen ebenfalls monatliche Berichte über ihr Wohlergehen und ihre Fortschritte in der Schule, was immer ein Highlight im Schulalltag war.

Natürlich ist es auch denkbar, dass Einzelpersonen bestimmte Geldbeträge nach Wahl spenden; schließlich hat nicht jede/r von Euch gerade Kinder in der KiTa bzw. im schulpflichtigen Alter. Wie auch immer: Auf jeden Fall verbürge ich mich für die Seriosität von Godanaw. Und dafür, dass Euer Geld nicht in irgendeinem Verwaltungsapparat versickert, sondern sehr direkt den Mädchen und ihren Kindern zugute kommt. Und man kann hier schon mit für europäische Verhältnisse lächerlich wenig Geld viel bewirken.

Was haltet Ihr davon?
Beste Grüße aus Addis Abeba,
Euer Martin.